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Marken & Kommunikation
Der Mythos des "Homo Oeconomicus"

Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit hat sich bis heute das Bild des "Homo Oeconomicus" gehalten: der Mensch als rational getriebenes Wesen, dessen Gedanken und Handlungen nach Logik und wohlüberlegter Nutzenmaximierung ausgerichtet sind.

Die heutige Informationsüberflutung, unsere begrenzten Zeitressourcen und die Komplexität unserer Umwelt & Informationen lassen jedoch keinen Platz für den "Homo Oeconomicus", falls er überhaupt jemals existiert haben sollte. Neue Erkenntnisse der Neurowissenschaften und Sozial- und Kognitionspsychologie zeigen hingegen vielmehr, dass sich der Mensch der komplexen und ungewissen Umwelt anpasst, indem er sich auf das Unbewusste, auf Faustregeln und auf seine evolvierten Fähigkeiten verlässt (*Gigerenzer, 2007).

Kaufentscheidungen werden bis zu 95% unbewusst getroffen

Man unterscheidet heute zwischen zwei unterschiedlichen Systemen menschlicher Informationsverarbeitung und Verhaltenssteuerung: das explizite System, das bewusst und überlegt funktioniert, und das implizite System, das automatisch und unbewusst arbeitet (**Liebermann, 2007). Bei vielen austauschbaren & komplexen Produkte, unter Zeitdruck zu fällenden Kaufentscheidungen und mehreren tausend Werbebotschaften pro Tag arbeitet zumeist nur noch das unbewusste (implizite) System. Dies macht deutlich, dass besonders in der Konsumenten- und Werbeforschung Instrumente benötigt werden, die einen Zugang zum impliziten System des Konsumenten ermöglichen.

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Ganzheitliche Marken- und Werbeforschung

Die klassische Erhebungsmethode in der heutigen Marken- und Werbeforschung ist weiterhin die Befragung. Diese richtet sich jedoch an das explizite System im Gehirn, da die Befragten bewusst und überlegt ihre Meinungen zu einer Werbung oder einer Marke äußern. Deswegen sollten zusätzlich auch Forschungsinstrumente eingesetzt werden, die sich an das implizite System der Konsumenten richten. In dem kombinierten Einsatz expliziter und impliziter Methoden liegt somit das größte Erkenntnispotential für die Überprüfung und Steuerung von Marketingmaßnahmen.

 

* Gigerenzer, G. (2008): Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Goldmann.
** Liebermann, M. D. (2007): Social Cognitive Neuroscience: A Review of Core Processes, in: Annual Review of Psychology, 58, S. 259-289.